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Sumbriva da stà fa il vainter d‘inviern

Schatten im Sommer macht Bauchweh im Winter.

(Sprichwort aus dem Münstertal.

Es bezieht sich auf die Landwirtschaft.

Kann im Sommer aufgrund der Wetterbedingungen das Heu

nicht recht dörren, so gibt es schlechtes Futter.

Das kann beim Vieh Verdauungsstörungen bewirken.)

Der erste Stock des alten Teils der Chasa Chalavaina ist verwirrend verwinkelt: Ein Hinweis auf die Geschichte des Hauses mit den verschiedenen Umbauten. Trotzdem fügt sich das Ganze harmonisch zu einem Puzzle zusammen. Die baulichen Veränderungen lassen sich wie die Jahrringe an einem Baum ablesen.

Ein Gang mit vielen Ecken windet sich durch das Stockwerk; an den Wänden hängen ehemalige Arbeitsgeräte der Münstertaler Bauern. Türen münden in alle Himmels­richtungen, Türen mit auffallend schönen Schlössern. Die Familie Fasser hat sie von alten Türen anderer Häuser entfernt und hier wieder eingesetzt. Die niedrigen Mauerdurchgänge zwingen den Gast den Kopf einzuziehen: Die Bevölkerung früherer Jahrhunderte war kleiner gewachsen. Darauf weisen auch die ehrwürdigen Bettgestelle in den Zimmern hin. Sie mussten verlängert werden, um den heutigen Verhältnissen gerecht zu werden.

Im neuen Hotel-Trakt, der 1980 im ehemaligen Ökonomie-Gebäude eingerichtet wurde, fällt die Orientierung leichter. Sieben neue Zimmer entstanden hier, wo früher das Heu lagerte und Tiere untergebracht waren. An die einstige Zweckbestimmung erinnert der grosszügig bemessene Eingangsraum: Hier befand sich die Zufahrt in den Heuraum. Hier lagerte das Rauhfutter, das im Sommer geschnitten und eingebracht wurde. Schliesst man die Augen, so scheint immer noch der Geruch von trockenem Heu in der Luft zu schweben: der Duft von würzigen Kräutern und Alpenblumen. Belassen wurde die vom Alter gebräunte Balkenkonstruktion. Sie bildet, nur mit Holznägeln zusammengefügt, das Tragwerk der neuen Mauern.

Im untersten Stockwerk findet sich im Zimmer las pullas ein Hinweis auf die frühere Nutzung des Ökonomie-Gebäudes als Stall. Die Hühner waren hier zu Hause. Unterhalb des rechten Fensters ist der Schlupf noch zu erkennen, der ihnen als Ausgang ins Freie diente. Die Vorhänge mit dem eingewobenen Hühner-Motiv unterstreichen noch, wer da früher wohnte. Genau gleich wie im Nachbarzimmer la stalletta, wo die Ziegen lebten. Auch hier hängen Vorhänge mit dem entsprechenden Tiermotiv an den Fenstern.

Als im Verlaufe des Umbaus des Ökonomie-Gebäudes zum Hotel-Trakt das Erdreich unter den Ställen abgetragen wurde, entdeckte der Architekt Reste von Fundamenten. Sie entpuppten sich als Grundmauern eines Hauses, das in karolingischer Zeit entstanden sein musste also etwa zur selben Zeit wie das nahe Kloster St. Johann. Das bedeutet, dass auf dem Grundstück des heutigen Hotels Chasa Chalavaina seit 1200 Jahren Menschen leben. Ein beachtliches Stück Geschichte.

Aufgrund ihres Alters und ihrer historischen Bedeutung steht die Chasa Chalavaina heute unter Denkmalschutz.

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