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Chi viva in spraunza mora chejond

Wer in der Hoffnung lebt, stirbt am Elend.

(Sprichwort aus dem Münstertal. In übertragenem Sinne bedeutet es:

Hoffen und Harren macht manchen zum Narren)

Ida, Carl und Jon Fasser.

Mit Arvenholz romanisch dschember getäfert ist die Gaststube, die an den sulèr angrenzt. Charakteristisch für das weiche Arvenholz ist nicht nur sein Harzgeruch, ebenso bezeichnend sind die vielen, sich dunkel abzeichnenden Aststummel in den Wand- und Deckenbrettern. Der Boden der Gaststube besteht dagegen aus Hartholz:

Weichere Holzarten bewährten sich hier nicht, da sie schnell abgenutzt waren. Als im Zuge der Renovation des Calven-Hauses im Jahre 1965 der alte Boden entfernt wurde, kamen unter den Brettern drei weitere Schichten ehemaliger Bodenbretter zum Vorschein. Das Holz war so ausgetreten, dass sich die härteren Aststummel wie kleine Pilze abhoben.

Bei der Fensterfront zieht sich quer durch die Wirtschaft eine Stufe ein Hinweis auf den etappenweise Ausbau der Chasa Chalavaina: Auf die einst eingeschossigen Kaufläden wurden im 17. Jahrhundert zwei weitere Stockwerke gebaut, das Haus gegen den Dorfplatz hin entsprechend vergrössert. Bei diesem Ausbau entstand, bedingt durch die Konstruktion der früheren Aussenmauern, die Stufe. Das Arvenholz in diesem Teil der Stube ist entsprechend jünger. Aus diesem Grund finden sich hier auch keine Hinweise auf den Aufenthalt der mats in der Gaststube. Dafür haben sie sich neben dem Kachelofen, anscheinend ihr Lieblingsplatz, verewigt. Mit ungelenker Hand ritzten sie in das vorspringende Wandstück Speerspitzen und Kreuze.

Die Arvenstube gibt auch über die verschiedenen Besitzer des Calven-Hauses Auskunft, soweit sich die Eigentumsverhältnisse rekonstruieren lassen.

Auf die Patrizierfamilie Hermanin, die Wirte Benedikt Fontanas, weist das Wappen über der Eingangstüre hin. Es zeigt, kunstvoll geschnitzt, einen stilisierten Baum, darüber einen Helm mit Taube. Laut Erwin Poeschel, Autor des Werkes «Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden», muss das Wappen um 1500 angefertigt worden sein. Dasselbe Wappen, etwas einfacher ausgeführt, findet sich auch auf der Türe, die die Freitreppe von der Laube trennt. Es ist mit «1593» datiert. Als nächste Eigentümerin der Chasa Chalavaina ist die Familie Pernsteiner überliefert. Ihre Ära endete mit dem Tode von Tonet Pernsteiner im Jahre 1879. Ein Ölbild in der Stube zeigt das Porträt dieses Wirtes. Mit seinem Ableben verlor sich die Tradition, das Calven-Haus als Gaststätte zu führen. Die beiden Bauernfamilien, die nun einzogen, gingen ganz der Landwirtschaft nach. Erst mit der Übernahme durch die heutigen Besitzer, die seit dem 14. Jahrhundert im Münstertal ansässige Familie Fasser, wurde das Haus wieder seiner ursprünglichen Bestimmung entspre­chend geführt: Carl und Ida Fasser hatten die Chasa Chalavaina 1958 gekauft, nachdem sie gemeinsam dreissig Jahre lang im nahen «Hotel Münsterhof» gewirtet hatten. 1965 restaurierten sie das Gebäude mit der Unterstützung des Kantons Graubünden und des Bundes.

Carl Fasser ist 1975 gestorben; die Erinnerung an ihn, der nicht nur Wirt, sondern auch Lehrer und Inhaber mehrerer öffentlicher Ämter gewesen war, hält ein Schwarzweissfoto in der Arvenstube aufrecht. Nach seinem Tod führten seine Frau und Sohn Jon das Hotel Chasa Chalavaina weiter. Im August 1991 ist nun auch Ida Fasser gestorben. Heute leitet Jon Fasser den Betrieb gemeinsam mit seiner Schwester Ottavia.

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