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Maun dar e maun tor.

Hand geben, Hand nehmen.

(Sprichwort aus dem Münstertal. Es bezieht sich auf den Kaufverkehr~

Wenn der Verkäufer mit der einen Hand die Ware übergeben,

mit der anderen gleich das Geld einziehen kann, bleiben weder Schulden

noch Misstrauen zurück.)

Das graue Tuch.

Wann die Chasa Chalavaina genau gebaut wurde, ist nicht überliefert. Im Jahr 1499 war das Haus schon rund 200 Jahre alt: Aufgrund der Lichtscharten, die in die Grundmauern eingebaut wurden, datiert Christoph Simonett in seinem Buch «Die Bauernhäuser des Kantons Graubünden» die Entstehung in die Burgenzeit. Das Haus muss demzufolge vor 1300 gebaut worden sein. Zwei der Lichtscharten sind in der heute als Cafeteria genutzten court grosser Hof— noch zu erkennen. Sie wurden allerdings zugemauert und bilden nur mehr Nischen. Die court gehört dem­entsprechend zu den ältesten Teilen der Chasa Chalavaina. Sie ist ungefähr 700 Jahre alt.

Dass das Calven-Haus bereits damals als Sust, als Gasthaus, diente, bestätigt der mächtige Stall, der ebenfalls in der Burgenzeit an der Ostseite der Chasa Chalavaina erstellt worden war: Hier brachten die Kutscher und Säumer nach ihrer beschwerli­chen Reise über die Pässe die Pferde und Mautiere unter. Kurz nach Vollendung des zentralen Baus wurden zwei schmale, längliche Räume mit Ausrichtung auf den Dorfplatz an die court angebaut. Die beiden Räume hatten für die Bevölkerung des Münstertales eine grosse Bedeutung. Hier, hinter den halbrunden Fenstern, wickelte sich der Tuchmarkt ab. Hier tauschten die Frauen das von ihnen gewobene «graue Tuch» gegen Salz und Kolonialwaren ein. Der Verdienst aus dem Tuchmarkt erlaubte den Bauernfamilien, ihr schmales Einkommen aus der Landwirtschaft aufzubessern:

Die vielen unproduktiven Flächen im Münstertal ermöglichten keine grossen Er­träge. Der Bündner Loden, wie das graue Tuch auch genannt wurde, war für seine Qualität bekannt und bei den Händlern beliebt. Der grösste Teil des Stoffes wurde in die Lombardei transportiert und dort weiterverkauft.

Der linke Kaufladen ist heute Teil der Cafeteria; der rechte dient als Lagerraum.

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